While I was in Graz, the wonderful Barbara Belic interviewed me for her literary program series on Austrian public radio, “Radio Helsinki.” Listen to me read a few sections from my new novel—two lengthy sections in English and the rest in German—and explain why I’m against the category “autofiction”—why it fails to see so much of the actual art of a book.

Listen here.

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I had the opportunity to read from “Kreisläufe” at the Independent Publishers’ Reading Island at the Frankfurt Book Fair, moderated by my wonderful publisher Annette Knoch. Thank you, Literaturverlag Droschl. I feel very lucky.

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Es sollte möglich sein, so habe ich mir eingeredet, ein paar Tage in der Gegenwart meiner Mutter zu verbringen, ohne der Macht der Vergangenheit zu erliegen. Es ist eine Frage des Willens. Stell dir einen unsichtbaren Kokon um dich herum vor, ein Kraftfeld, hat Micha gesagt und dabei die Finger zu beiden Seiten seines Gesichts zu einem Strahlenkranz auseinandergespreizt, doch ich war nie gut in dieser Art von Übungen. Ich werde zu einem Blitzableiter für genau die Dinge, die ich eigentlich von mir fernhalten sollte. Ich zerre das Kissen unter meiner Wange hervor und drehe es auf die kühle Seite. Obwohl das Gerät leise gestellt ist, kann ich durch die Rigipswände die blechernen Stimmen aus dem Transistorradio hören, das meine Mutter mit ins Bett nimmt, so wie wir früher unserem Hund, damals noch ein Welpe, einen Wecker in ein Handtuch gewickelt unter die Decke legten, damit dieser den Herzschlag seiner Mutter simulierte und ihn in den Schlaf lullte. Sie hat ihren Lieblingssender eingestellt, ein Talkradio-Programm: erregte Stimmen, hektische Stimmen, die von wer weiß woher anrufen, weil sie eine Beschwerde loswerden oder sich für eine Sache einsetzen oder irgendeine verrückte Idee vortragen wollen, die sie fesselt und nicht mehr loslässt.

Ich schaue auf meine Armbanduhr und sehe, dass es früh am Morgen ist. Benommen vom Jetlag setze ich mich auf und versuche mich zu orientieren. Die Dielen über mir knarren; inzwischen gibt es Mieter im Haus, aber als wir hier aufwuchsen – Delphine, Lillie, Alfie und ich –, wohnten oben unsere Großeltern, und der Raum, in dem sich unser Leben abspielte, hatte eine andere Geografie. Als ich vergangene Nacht die Tür zum Flur schloss, blieb meine Hand auf dem Knauf liegen und tastete nach einem Gefühl aus der Zeit, in der die Tür immer offen stand und das Haus noch nicht unterteilt war in Privatwohnungen und einen Flur, den die Mieter nutzten; in der Oben und Unten noch verbunden waren durch eine Treppe, die Alfie und ich auf dem Bauch hinabglitten wie Schlangen. Hier zogen sich Lillie und Delphine zurück, um ungestört telefonieren zu können; sie zerrten am Telefonkabel und hockten sich auf die fünfte Stufe – denn weiter als bis zur fünften Stufe reichte es nicht –, wo sie hinter der Tür Geheimnisse in den Hörer flüsterten. Blockier die Leitung nicht, höre ich meinen Vater sagen, und darin schwang mit, dass jemand versuchen könnte, mit wichtigen Nachrichten durchzukommen, dass jeden Augenblick schlimme Nachrichten eintreffen könnten. 

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— aus Kreisläufe, Literaturverlag Droschl 2021

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At the Frankfurt Book Fair with Annette Knoch, publisher extraordinaire; me; our amazing PR person Henrike Blum; fellow Droschl author and editor of Manuskripte Andreas Unterweger; and the equally amazing Julia Marquardt of Kirchner Kommunikation. Lucky to be in such formidable company and happy to present this book that took so long to write.

“Ein Kaffeefleck auf dem weißen Herd, Spuren im überfrorenen Schnee: Es sind Alltagsbeobachtungen, aus denen Andrea Scrima in ihrem neuen Roman Poesie schöpft. Präzise, ästhetische Beschreibungen rufen Bilder vor unser inneres Auge, die vertraut sind – und die wir doch so noch nie gesehen haben. Sie werden zu Metaphern für die Zeit, das Kommen und Gehen unserer Erinnerungen.”

— Anne Kohlick, Deutschlandfunk Kultur

Read and listen to the review here (in German language).

Most of you know I’m not Serbian, but I’m honored to be included in this issue of contemporary European literature titled “Serbian Moments.” It’s nice to see the first chapter of the original English edition of my second book, “Like Lips, Like Skins,” published in this fine magazine of European writing. Thanks, Trafika Europe, and thanks, Andrew Singer, for championing so much important new writing in translation.

You can read the entire chapter here.

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Berlin friends! Come to a presentation and reading from the German edition of my second book, Kreisläufe.

Wednesday, September 22, 2021 | 19.30 pm | Brotfabrik

The event is in German language.

Als ich eines regnerischen Morgens die Treppen der U-Bahnstation Oranienburger Straße hinaufsteige und auf dem von Regentropfen gesprenkelten Asphalt vor mir den kupferfarbenen Widerschein der Straßenlaternen sehe, die von der letzten Nacht noch nicht erlöscht sind, erkenne ich plötzlich, wie jede Generation blindlings und unbewusst einem Auftrag unterworfen ist, die Fehler und Schmerzen der Generation vor ihr zu korrigieren, um die Schäden der Zeit wiedergutzumachen.

Im Roman Kreisläufe, das zweite Buch Scrimas, das beim Literaturverlag Droschl erschienen ist, wird mit psychologischer Tiefe eine Familiengeschichte ausgebreitet, die von starken emotionalen Bindungen, aber auch von Schicksalsschlägen erzählt. 

Felice zieht nach West-Berlin der frühen 1980er Jahren und lernt den Journalisten Micha kennen, von den psychischen Folgen seiner Internierung in einem DDR-Jugendwerkhof erfährt sie nur stückweise. Dem Verdrängen von Traumata begegnet Felice auch Jahre später, als sie nach Amerika zurückkehrt und die Tagebücher ihres verstorbenen Vaters findet, die alte, zum Teil vergessene „Büchsen“ der Erinnerung öffnen. Während sie den vertrauten Kurven der väterlichen Handschrift nachspürt und seine eigenwillige Codesprache zu entziffern beginnt, sucht sie in dieser knappen Chronik nach Schlüsseln zu einer Vergangenheit, die Geheimnisse und blinde Flecken in sich birgt. 

Nach der Lesung wird Kathrin Bach ein Gespräch mit der Autorin führen. Am Büchertisch der Buchhandlung Montag werden Exemplare von Kreisläufe zu erwerben sein. 

Weitere Informationen hier.

German friends: “Kreisläufe,” the German edition of my second book “Like Lips, Like Skins,” makes its official appearance today. An essentially untranslatable title has transformed into a word that means circuits, circulations, cycles, in other words contains multiple meanings that fit this novel about family trauma well.

I talked to moderator Frank Schmid at RBB about the book in the program “Der Tag” and you can hear the 15-minute recording online here.

“The Weaponization of Language”: an essay on trauma theory, mass communication, the somatization of guilt, and what Mary McCarthy already knew seventy years ago after watching Nixon’s “Checkers Speech” — in LitHub

In the 1990s, trauma theory, most notably that of Cathy Caruth, Judith Herman, Shoshana Felman, and Kirby Farrell, expanded the literary criticism of cultural trauma—based as it was on the Holocaust and the psychological interpretations of its aftermath—to encompass a broader range of subsequent political events that have greatly impacted contemporary society. Caruth drew on the neurological insights of Bessel van der Kolk to assert that trauma, because it so overwhelms the psyche’s capacity for normal perception and memory formation, remains unassimilated and takes its place outside language. The result is a blind spot that is essentially unknown to the traumatized individual, who nevertheless compulsively reenacts it in the form of flashbacks, involuntary bodily responses, phobic reactions, deluded ideation, etc.

While the biological metaphor—the notion that the mechanisms of individual trauma and its somatization can be applied to the pathological symptoms of the larger social body—is not a code for deciphering every troubling feature of the culture, it can nonetheless be instrumental for analyzing phenomena that otherwise defy interpretation, including the enabling fictions that American society, in spite of ample evidence to the contrary, creates to reinforce its fundamental beliefs about itself and to justify itself when its behavior transgresses its own declared moral boundaries.

— continue reading in LitHub

Coming soon from Literaturverlag Droschl: The German edition of Like Lips, Like Skins.

I’ve been co-translating it, we’re happy with the results, but the essentially untranslatable title has transformed into a word that means cycles, circuits, circulations, in other words contains multiple meanings that fit this novel about family trauma well.

Warily, circuitously, I peer back in time; I slip on my coat feeling raw and vulnerable. Sudden insights spark strobe-like in the dark, momentarily illuminating long-ago scenes in chiseled, lightning-etched detail. I shiver and tremble as unanticipated stabs of anxious rumination slice through the everyday like shrapnel. Discovery, when it comes, can be strangely unspectacular. Climbing the subway steps one drizzly morning, emerging onto Oranienburger Strasse as the copper-colored reflection of a streetlamp not yet turned off from the night before flashes in the scattered drops dotting the asphalt before me, I suddenly see it: each generation blindly, unknowingly conscripted in a mission to correct the failures and heartaches of the one preceding it, to undo the damage of time. 

Zaghaft und über Umwege blicke ich in die Vergangenheit. Ich ziehe mir den Mantel über, fühle mich roh und verletzlich. Plötzliche Erkenntnisse leuchten wie ein Scheinwerfer in die Tiefe und erhellen für einen Augenblick längst vergangene Szenen in feinen, blitzartig gestochenen Details. Mich fröstelt, ich bekomme Gänsehaut, wenn Momente ängstlichen Grübelns wie scharfe Pfeile den Alltag durchbohren. Entdeckungen können, wenn sie eintreffen, verblüffend unspektakulär sein. Als ich eines regnerischen Morgens die Treppen der U-Bahnstation Oranienburger Straße hinaufsteige und auf dem von Regentropfen gesprenkelten Asphalt vor mir den kupferfarbenen Widerschein der Straßenlaternen sehe, die von der letzten Nacht noch nicht erlöscht sind, erkenne ich plötzlich, wie jede Generation blindlings und unbewusst einem Auftrag unterworfen ist, die Fehler und Schmerzen der Generation vor ihr zu korrigieren, um die Schäden der Zeit wiedergutzumachen.