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Now online: an entire issue of The Scofield dedicated to Kobo Abe and the subject of home.

Scrimabox

From my contribution to issue 3.1 of The Scofield: the essay The Problem of Home:

“Are we really as brave as we think we are, are we as honest, as enterprising, as free as we think we are? In America, national identity is a narrative drawn from a largely commercialized shared cultural experience and an interpretation of history that merges with legend—it’s a construct based not in fact, but on belief, and as such it has far more in common with religion than with reason. And while intellectual culture is currently undergoing a period of profound disillusion, in large parts of the country, anything that calls what makes America American into question is met not with impartial analysis or self-scrutiny, but indignant and often hostile repudiation.”

 

Dramatis Personae: 

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The new edition of manuskripte is in the bookstores—with an excerpt of the German translation of my novel A Lesser Day, alongside writings by Günther Freitag, Thomas Stangl, Friederike Mayröcker, Franz Josef Czernin, Verena Stauffer, and many more.

Order a copy at http://www.manuskripte.at/wordpress/

 

Manuskripte

Cover image: Hartmut Urban, “Aus der Erde wächst eine organische Skulptur” (1973)

 

Wie viele Male hat sich mein Denken in einer Schleife verfangen; wie viele Male hat es sich im Kreis gedreht um ein bestimmtes Wort, einen Ausdruck, der über ein Gesicht huschte und verschwand, wieder und wieder in dem Versuch, näher heranzukommen, aber an was. Jenes Gefühl, dass etwas da ist, wieder und wieder im Kreise; aber was. Jenes beunruhigende Gefühl einer bevorstehenden Enthüllung, die leise Panik. Und dann der Moment des Erkennens, dessen betäubende Wirkung. Ich sehe es, verstehe es, und doch sehe ich nicht, verstehe ich nicht. Die anschließende Amnesie, wenn das Bewusstsein seine neue Entdeckung sorgsam vergräbt, sie einige Zeit später wieder hervorholt, wenn es sich allein weiß, unbeobachtet, sie dreht und wendet, an ihr schnuppert, als sei sie ein ausgetrockneter Knochen.

 

 

Hear the full interview on Yale Radio:

http://museumofnonvisibleart.com/interviews/andrea-scrima/

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Making art was a form of archaeology, of excavating the inscrutable. It revealed itself through fragments, through their reconstruction. Why this dot, this smear—why did they resonate in such an unmistakable way? It was essential to recognize these events, to understand the patterns of their repetition and to narrow them down to a visual vocabulary. These were the elements at our disposal, there were never more than a handful of them, and they remained irreducible. Process was everything: there had to be a truthfulness to it, a conjunction between the act and the impulse that had propelled it, an economy in which every mark stood for something—not as a means to an end, but at the very moment it was being made. It required a suspension of conscious will; it was about locating one’s inner sensorium and learning to pay attention to it, to trust it. It was the point of convergence between the self and the world: the place where, if only for an instant, a universal language might be revealed. I stepped back to view the large canvas. Subtle shadows were visible across the white expanse now, caused by the topography of the scraped surface beneath it. Swirls of pigment had come to rest in the turpentine on the floor, and as I bent down to spread a few sheets of newspaper over the turbid puddle, my reflection bent down with me and reached its fingertips up toward my outstretched hand. 

— from the novel-in-progress Like Lips, Like Skins

Scrima-COVER

Photo: Eliza Proctor

 

Kent Avenue. Der kahle Raum, der überwältigende Ausblick. Unter der Decke entlang laufende Rohrleitungen, Fenster über die gesamte Vorderfront; draußen die Betonfabrik und der Brooklyn Navy Yard und in der Ferne die stetige Prozession von Lichtern, die sich über die Manhattan Bridge und den Franklin D. Roosevelt-Drive hinaufbewegten. Wie ich alle Lampen im Atelier löschte und im Dunkeln saß, hinausblickte auf die Stadt, in der ich geboren war, in der meine Mutter geboren war, mein Vater geboren war – und eine Großmutter, ein Großvater, doch da endet die Spur, verliert sich in dem Moment, wo sie wieder die Küsten des alten Kontinents berührt. Wie ich Großmutters Sessel aus dem Keller schleppte, wo er seit zwanzig Jahren, fünfundzwanzig Jahren im Dunkeln gestanden hatte, ihn am Kofferraum des Autos meiner Mutter festschnürte und nach Brooklyn fuhr; doch das kam später. Ich schüttelte den Polsterbezug am Fenster aus, schüttelte die Krümel des Schaumstoffs aus, der nach all den Jahren spröde geworden und in Auflösung begriffen war; der kunstvoll eingenähte Reißverschluss, dieser komische Stoff mit dem Postkutschenmotiv, wieso hat niemand von uns je nähen gelernt, irgendwann gab es für diesen Sessel mal einen kompletten, perfekt passenden Schonbezug mit einem kleinen steifen Volant am unteren Rand und Paspeln an sämtlichen Nähten. Ich schüttelte den Polsterbezug am Fenster aus und schaute zu, wie die orangefarbenen Krümel des maroden Schaumstoffs von einem Luftstrom erfasst wurden, der vom Fluss heraufblies, wie sie schwebten und im Schrägflug bis ganz nach unten auf den Boden segelten; und dann entglitt mir der Bezug und fiel die acht Stockwerke hinunter auf die Straße. Und da lag er, dieser Bezug mit dem Postkutschenstoff, mitten auf der Kent Avenue, und ein Lastwagen fuhr über ihn hinweg, und dann noch einer; doch das kam später. Und daran zu denken: wie Großmutter all die Jahre in ihrem Sessel saß und häkelte, im oberen Stockwerk, im Haus auf der anderen Seite des Hafens, bevor der Stoff verschlissen war, bevor ihre Möbel hinunter in den Keller getragen wurden und oben die ersten Mieter einzogen, dort wo einst Sumpfland gewesen war, vor Jahrhunderten trockengelegt von holländischen Siedlern. Und daran zu denken: dass dieses Gebäude existiert hat, dieses Fenster die ganze Zeit existiert hat, gewartet hat, dass der Metallgriff am gusseisernen Fensterrahmen, hier, jetzt, direkt vor mir, geöffnet und geschlossen von so vielen Händen, so viele Jahre lang, auf mich gewartet hat, auf diesen Moment gewartet hat, auf Großmutters Sessel und die orangefarbenen Krümel von altem Schaumstoff, zu sehen vom Brooklyn-Queens-Expressway in der Nähe der Ausfahrt Flushing Avenue, inmitten einer Landschaft aus Lagerhäusern und Wassertürmen und Gerüsten mit riesigen Neonschildern. Und nun saß ich an diesem Fenster mit einer unbestimmten Zeitspanne vor mir, sechs Monate, ein Jahr, und dann sah ich es zum ersten Mal, das Elektrizitätswerk, in dem du gearbeitet hast, als wir klein waren, bevor du nach Kips Bay versetzt worden bist. Du, und du. Wie kommt es, dass ich es nicht vorher gesehen habe, wie kommt es, dass es beim Namen der Straße nicht geklingelt hat, Kent Avenue: der weit entfernte Ort, wo du jeden Tag hinfuhrst, von dem du jeden Tag heimkamst, der mythische Klang, den er einmal besaß, und bloß ein Wort, die Art, wie du es aussprachst; vergangene Zeiten.

 

Übersetzung: Barbara Jung

Come today to the Parataxe presentation at 8 pm
in “ausland,” Lychener Str. 60, 10437 Berlin.
Readings by MARIE-PASCALE HARDY (Canada/Berlin) and BRYGIDA HELBIG (Poland/Berlin), moderated by our very own Katy Derbyshire (UK/Berlin).
We’ll also be celebrating the release of the third issue of Berlin’s online literature magazine for writers writing outside the German language: stadtsprachen.de.

27 texts by 25 Berlin-based authors and translators in 10 languages ranging from Arabic and Mandarin to Yoruba – in the original and the majority in German translation.
It’s a unique achievement and an ambitious project, so come and enjoy!

PARATAXE – die internationalen Literaturszenen Berlins
stadtsprachen – Magazin der internationalen Literaturen Berlins
c/o Berliner Literarische Aktion e.V.
Kastanienallee 2
D – 10435 Berlin
Tel.: +49(0)30/53155963
www.stadtsprachen.de
www.berliner-literarische-aktion.de

 

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