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Tag Archives: Berlin

“Ein Kaffeefleck auf dem weißen Herd, Spuren im überfrorenen Schnee: Es sind Alltagsbeobachtungen, aus denen Andrea Scrima in ihrem neuen Roman Poesie schöpft. Präzise, ästhetische Beschreibungen rufen Bilder vor unser inneres Auge, die vertraut sind – und die wir doch so noch nie gesehen haben. Sie werden zu Metaphern für die Zeit, das Kommen und Gehen unserer Erinnerungen.”

— Anne Kohlick, Deutschlandfunk Kultur

Read and listen to the review here (in German language).

Most of you know I’m not Serbian, but I’m honored to be included in this issue of contemporary European literature titled “Serbian Moments.” It’s nice to see the first chapter of the original English edition of my second book, “Like Lips, Like Skins,” published in this fine magazine of European writing. Thanks, Trafika Europe, and thanks, Andrew Singer, for championing so much important new writing in translation.

You can read the entire chapter here.

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Berlin friends! Come to a presentation and reading from the German edition of my second book, Kreisläufe.

Wednesday, September 22, 2021 | 19.30 pm | Brotfabrik

The event is in German language.

Als ich eines regnerischen Morgens die Treppen der U-Bahnstation Oranienburger Straße hinaufsteige und auf dem von Regentropfen gesprenkelten Asphalt vor mir den kupferfarbenen Widerschein der Straßenlaternen sehe, die von der letzten Nacht noch nicht erlöscht sind, erkenne ich plötzlich, wie jede Generation blindlings und unbewusst einem Auftrag unterworfen ist, die Fehler und Schmerzen der Generation vor ihr zu korrigieren, um die Schäden der Zeit wiedergutzumachen.

Im Roman Kreisläufe, das zweite Buch Scrimas, das beim Literaturverlag Droschl erschienen ist, wird mit psychologischer Tiefe eine Familiengeschichte ausgebreitet, die von starken emotionalen Bindungen, aber auch von Schicksalsschlägen erzählt. 

Felice zieht nach West-Berlin der frühen 1980er Jahren und lernt den Journalisten Micha kennen, von den psychischen Folgen seiner Internierung in einem DDR-Jugendwerkhof erfährt sie nur stückweise. Dem Verdrängen von Traumata begegnet Felice auch Jahre später, als sie nach Amerika zurückkehrt und die Tagebücher ihres verstorbenen Vaters findet, die alte, zum Teil vergessene „Büchsen“ der Erinnerung öffnen. Während sie den vertrauten Kurven der väterlichen Handschrift nachspürt und seine eigenwillige Codesprache zu entziffern beginnt, sucht sie in dieser knappen Chronik nach Schlüsseln zu einer Vergangenheit, die Geheimnisse und blinde Flecken in sich birgt. 

Nach der Lesung wird Kathrin Bach ein Gespräch mit der Autorin führen. Am Büchertisch der Buchhandlung Montag werden Exemplare von Kreisläufe zu erwerben sein. 

Weitere Informationen hier.

German friends: “Kreisläufe,” the German edition of my second book “Like Lips, Like Skins,” makes its official appearance today. An essentially untranslatable title has transformed into a word that means circuits, circulations, cycles, in other words contains multiple meanings that fit this novel about family trauma well.

I talked to moderator Frank Schmid at RBB about the book in the program “Der Tag” and you can hear the 15-minute recording online here.

Several drawings from my Loopy Loonies series will be shown in an exhibition opening October 23, 2020 in Berlin at the Haus der Statistik titled “The New Normal?”:

Loopy Loonies, 35 x 35 cm, graphite on rag paper.

Loopy Loonies, 35 x 35 cm, graphite on rag paper.

Loopy Loonies, 35 x 35 cm, graphite on rag paper.

To see more drawings, click here.

The series Loopy Loonies explores the violence imbedded in the comic and cartoon imagery endemic to American visual culture. In the context of the present-day political disaster in the US, the formal language—which includes splats, speech bubbles, and animated letters of the alphabet—inquires into the ways in which a culture weaned on entertainment, superheroes, and happy ends loses its ability to distinguish between fact and fiction.

“Thirty years later we speak of the ‘Fall of the Berlin Wall,’ but the Wall didn’t simply tumble down like a row of dominoes on November 9th. The GDR continued to exist for another year, during which the East German authorities did what they could to keep up appearances. The border guards let East and West Germans cross the border freely, but when it came to foreign residents like myself those first few weeks, they didn’t quite know what to do. My passport wasn’t enough for them; I had to go to the foreign police and apply for an interim document, a ‘Lichtbildbescheinigung’ that was essentially a stamped sheet of paper with my address and a photograph stapled to it. It was a pretend-document for a situation in which the authorities pretended they still had authority; a document for a charade.”

My essay on November 9, 1989 for the Times Literary Supplement

Non-subscribers can read the PDF here. 

 

Radio interview with Joachim Scholl at Deutschlandfunk Kultur

(in German language)

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Scholl: Sie haben, wie ich finde, eine ganz intensive Sprache gefunden. Ich lese mal einen Satz vor, es ist mein Lieblingssatz. Da erklärt die Erzählerin, dass ihr Hund davongelaufen ist. Sie sucht ihn, findet ihn nicht, kommt dann mit einem anderen, der ihr zuläuft, wieder nach Hause. Und dann heißt es, Zitat: “Und so waren wir heimgekehrt mit einem Hund, einem nassen, hungrigen kleinen Hund, der mit einem tiefen, erschöpften Seufzer in meinen Armen zusammenbrach, als ich sein klatschnasses Fell mit dem Handtuch trocknete.” Ich weiß jetzt nicht, ob es daran liegt, dass ich mit jedem Jahr sentimentaler werde, aber ich habe so entzückt und tief geseufzt, als ich diesen Satz sah, diesen wunderschönen Satz. Ich habe mich gefragt, wie haben Sie diese Sprache gefunden?

Scrima: Das kann ich nicht beantworten. Man schreibt nicht mit einer Schreibstrategie im Hinterkopf. Ich glaube, es geht vielmehr darum, dass man versucht, den Zugang zu sich selbst möglichst intensiv zu ermöglichen. Und ich kann das selbst nicht unbedingt sagen, wie ich das gemacht habe. Das ist für jeden anders. Für jedes Buch ist es anders. Ich arbeite noch an einem Roman, der mir das Leben sehr schwer macht.

Scholl: Sprachlich kann ich mir das nicht vorstellen bei Ihnen, Frau Scrima. Vorhin sagten Sie kurz, dass Sie das Buch geschrieben haben, als Sie Ihr Baby gerade hatten. An einer Stelle, glaube ich, zieht das Baby unterm Tisch den Stecker aus dem Computer, und dann schreibt sie “Alles ist verloren”. Da dachte ich, ist das hoffentlich erfunden, oder war das so?

Scrima: Das ist sozusagen die Metapher für die Mutterschaft in den ersten paar Jahren. Wie das Kind einem immer einen Strich durch die Rechnung macht. Das ist in erster Linie auch als Metapher zu verstehen.

Wonderful words by writer Lance Olsen: 

“Fantastic reading/conversation last night with the ever thoughtful, existentially attentive, compassionate, wise, wildly talented, & fascinating Andrea Scrima about her post-genre autre-biography, A Lesser Day, its just-released German translation, Wie viele Tage, the spatial dimensions of memory, her use of the slippery ‘you’ in the text, the problematics of helping bring one’s own work over into a second language in which one is fluent, & so much more.”

April 12, 2018

me & rebecca lettrétage

Moderated by Rebecca Rukeyser.

taz article

 

Die Gegenstände werden das Ich überdauern, „nichts ist so ephemer wie ich selbst“, weiß die Erzählerin, die ihre Ambivalenzen, ihre „Schwierigkeit mit dem Präsens“ zum Ausgangspunkt ihrer Suche macht und sich im Schreiben mit ihrem Leben verbündet. Sie muss in Gedanken nur eine Schublade des alten Küchenschranks auf Staten Island öffnen oder die italienischen Lesefibeln vor sich sehen, oder sich daran erinnern, wie sie „in diesem riesigen Königreich unserer Kindheit“ für den Bruder „wissenschaftliche Tatsachen“ über das Universum erfand, und es ist, als würden die Figuren sich in Bewegung setzen, als könnten sie der Erzählerin sogar ins Wort fallen, so lebendig werden sie im Bild dieser Sprache.

Das ist hohe Kunst und beweist den Reichtum dieses Buchs, dem es gelingt, sich von allen Belangen der Selbstbehauptung zu lösen und einen Raum zu schaffen, in dem man als Leser tatsächlich den Eindruck hat, genauer denken, deutlicher sehen zu können. Empfindsamer zu sein.

— Elisabeth Wagner in der taz, Wochenendausgabe, 10. Februar 2018

 

“Everything I see around me, everything I touch: the chair I am sitting in, the paper I am writing this on, none of it is as ephemeral as I.” The narrator of Wie viele Tage takes her ambivalence, her “difficulty with the present tense” as the departure point of a quest in which writing becomes a means of merging with life. In her mind, she need only open a drawer in the old kitchen cabinet on Staten Island or imagine the Italian language primers from school or remember how, “in this vast empire of our childhood,” she invented “scientific facts” about the universe for her brother, and already the figures are set into motion, and it’s as though they could interrupt the narrator at any moment—that’s how alive they become in this writing’s imagery. This is a high art, and it testifies to the richness of a book that succeeds in freeing itself from any concerns of self-assertion to create a space in which the reader indeed begins to think more precisely, see more clearly—and become more receptive and sentient.”

Elisabeth Wagner in the taz, weekend issue, February 10–11, 2018