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Interviews

I had the pleasure of talking again to Brainard Carey of the Praxis Center for Aesthetic Studies—you can hear the full interview here at Yale Radio. We talk about writing and art, my book A Lesser Day, memory, place, becoming an artist in post-gentrification New York and Berlin, the critical distance of a foreigner, Joseph Beuys and his performance I Like America and America Likes Me, Sophie Calle’s The Detachment, an essay I wrote for The Millions, and more — and I read from two sections of A Lesser Day.

 

How to go back in time; one would have to subtract everything that has come after, shed the skins that have accumulated since: peel them off one by one and forget them. To undo all that has occurred, to have found oneself in none of these situations, to lose entire parts of oneself; to forget. To disappear, to undo oneself. And when my mind carries me back, it is as another.

 

Yale Radio

 

 

Radio interview with Joachim Scholl at Deutschlandfunk Kultur

(in German language)

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Scholl: Sie haben, wie ich finde, eine ganz intensive Sprache gefunden. Ich lese mal einen Satz vor, es ist mein Lieblingssatz. Da erklärt die Erzählerin, dass ihr Hund davongelaufen ist. Sie sucht ihn, findet ihn nicht, kommt dann mit einem anderen, der ihr zuläuft, wieder nach Hause. Und dann heißt es, Zitat: “Und so waren wir heimgekehrt mit einem Hund, einem nassen, hungrigen kleinen Hund, der mit einem tiefen, erschöpften Seufzer in meinen Armen zusammenbrach, als ich sein klatschnasses Fell mit dem Handtuch trocknete.” Ich weiß jetzt nicht, ob es daran liegt, dass ich mit jedem Jahr sentimentaler werde, aber ich habe so entzückt und tief geseufzt, als ich diesen Satz sah, diesen wunderschönen Satz. Ich habe mich gefragt, wie haben Sie diese Sprache gefunden?

Scrima: Das kann ich nicht beantworten. Man schreibt nicht mit einer Schreibstrategie im Hinterkopf. Ich glaube, es geht vielmehr darum, dass man versucht, den Zugang zu sich selbst möglichst intensiv zu ermöglichen. Und ich kann das selbst nicht unbedingt sagen, wie ich das gemacht habe. Das ist für jeden anders. Für jedes Buch ist es anders. Ich arbeite noch an einem Roman, der mir das Leben sehr schwer macht.

Scholl: Sprachlich kann ich mir das nicht vorstellen bei Ihnen, Frau Scrima. Vorhin sagten Sie kurz, dass Sie das Buch geschrieben haben, als Sie Ihr Baby gerade hatten. An einer Stelle, glaube ich, zieht das Baby unterm Tisch den Stecker aus dem Computer, und dann schreibt sie “Alles ist verloren”. Da dachte ich, ist das hoffentlich erfunden, oder war das so?

Scrima: Das ist sozusagen die Metapher für die Mutterschaft in den ersten paar Jahren. Wie das Kind einem immer einen Strich durch die Rechnung macht. Das ist in erster Linie auch als Metapher zu verstehen.

I’m reading tomorrow evening from the German and English editions of my book Wie viele Tage (Literaturverlag DROSCHL) / A Lesser Day (Spuyten Duyvil Publishing) at Buchlounge Zehlendorf, Clayallee 343, at 8 pm. Here’s a radio broadcast the wonderful Michaela Gericke did with me a week or two ago in the studio for RBB Kulturradio (in German).

Listen here: 

 

And the drawings we talk about in the beginning can be seen here. 

 

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PATTERNS OF EROSION: 

A Conversation with Andrea Scrima on A Lesser Day and the new German edition, Wie viele Tage. 

“She sees a slip of paper lying on the street at the point of projected convergence, and she picks it up with a feeling that retrieving it is somehow necessary and crucial. That’s a key passage in the book, and it comes close to describing a relationship to meaning, in the way that you’re living in an insentient world, in a world of natural phenomena, man-made phenomena, trains and buses and buildings and streets, yet things are constantly happening that can suddenly seem to be saying something to you. The phrase I use in the book is ‘a language of happenstance […] in the din of occurrence.’ Searching for meaning in these chance occurrences—the superstitious see signs in coincidences, but you could also think of them as constituting a kind of language. But whose, and to what purpose?”

Read the full interview online here

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March 15, 2018

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The wonderful Daniela Fürst interviews Andrea Scrima on her book “Wie viele Tage,” Literaturverlag Droschl. Live at the Leipzig Book Fair.

Listen here at Literadio

Literario Leipzig

 

Bedford Avenue; ich stand vor dem U-Bahn-Plan, sprach die Namen aus und spürte den Nachgeschmack, den sie auf meiner Zunge hinterließen. Wie weit entfernt sie schienen, wie aus einer anderen Welt, einer anderen Zeit; wie unwahrscheinlich, dass ich mit diesem Plan in der Tasche hinausgehen und tatsächlich in einen Zug steigen könnte. Und dann überwand ich schließlich meine Lethargie, ging die Bedford Avenue hinunter und stieg die Treppe zur U-Bahn hinab, während mir der Schweiß zwischen den Brüsten hinunterrann; wie ich ohne einen klaren Plan im Kopf in einen klimatisierten Zug stieg, mich oben an der Haltestange festhielt und die Gänsehaut betrachtete, die sich auf meinem nackten Arm bildete, als der Schweiß auf meiner Haut kalt wurde. Ich stieg mehrmals um, zuerst am Union Square, dann an der Grand Central, betrachtete beim Einfahren des Zuges in jeden Bahnhof flüchtig die wartende Menge, meine Augen huschten von einem Gesicht zum anderen, suchten nach jemandem, den ich vielleicht kannte, irgendjemandem, unvorstellbar, in einer Stadt aufgewachsen zu sein und niemanden wiederzuerkennen, absolut niemanden. Meine Augen glitten vom Fenster des U-Bahn-Abteils und dem Strom der draußen vorbeihastenden Menschen nach oben, zu den Streifen Plakatwerbung, Hotlines für misshandelte Frauen, misshandelte Kinder, Zentren für kosmetische Chirurgie, Zahnchirurgie, mit einem Bild von Dr. Soundso und seiner Unterschrift darunter, gekrönt von einem irgendwie medizinisch aussehenden Schnörkel. Und dann stellte ich plötzlich fest, dass ich mich auf dem Weg zur Bronx befand, und beschloss, an der 149th Street auszusteigen und nachzuschauen, ob das alte Gebäude noch dort stand, wann war ich zum letzten Mal hingefahren, ich muss noch ein Kind gewesen sein. Ich ging die Brook Avenue hinunter, ohne ein einziges Gebäude wiederzuerkennen, einen einzigen Baum, bog an der 148th Street ab und ging in Richtung St. Ann’s, begann die geraden Nummern auf der Südseite der Straße abzuzählen, hin zur Nr. 516, dem Haus, das meine Urgroßeltern nach ihrer Ankunft in diesem Land gekauft hatten, dem Haus, in dem meine Mutter aufwuchs, meine Großmutter aufwuchs, zwei lange Reihen fünfgeschossiger Gebäude zu beiden Seiten der Straße, mit zwei ausschließlich aus Durchgangszimmern bestehenden Wohnungen auf jedem Stockwerk und Frauen in langen Röcken und Schürzen, die Abend für Abend den Bürgersteig fegten. Hier war Nr. 514, ein etwas zurückgesetzt stehendes, zweigeschossiges Haus; ein Dreirad lag auf einem kleinen betonierten Vorplatz, aus dessen Rissen Unkraut hervorspross. Ich ging weiter zum nächsten Haus und sah die ins Holz über der Tür genagelten Ziffern 518, und dann blieb ich stehen und ging noch einmal zurück; ich muss daran vorbeigegangen sein, dachte ich, doch es gab keine Nr. 516, nur ein Gebäude mit der Nummer 514 und ein anderes mit der Nummer 518, beide aus einem vergleichsweise jüngeren Baujahr, doch keine 516, und ich stand da, starrte Nr. 514 an, dann Nr. 518, und begriff, dass das Haus bereits vor langer Zeit abgerissen worden sein musste, nachdem sich das Viertel in einen Slum verwandelt hatte. Und später, nachdem im Zuge einer Stadtteilsanierung die Grundstücke neu gezeichnet und andere Häuser errichtet worden waren, war die Nummer 516 einfach aus der Reihe der Adressen in der East 148th Street komplett verschwunden, und ich stand da, wo die Eingangstür zum Haus gewesen sein musste, und stellte mir vor, wie meine Mutter als Kind auf der Vortreppe gesessen hatte, meine Großmutter, ein Kind, hier, genau an diesem Fleck, wo das Haus einst gestanden hatte, jetzt nur mehr manifestiert durch eine Lücke in einer numerischen Folge. Ich stand eine ganze Weile da, betrachtete die Häuser und die Größe der Grundstücke, außerstande zu erklären, wie eine Adresse verschwunden sein konnte, die neueren Häuser waren nicht größer, nicht breiter als die älteren es gewesen waren, sie hätten nicht so viel zusätzlichen Platz in Anspruch genommen, um ein ganzes Grundstück einfach verschwinden zu lassen, dachte ich und ging die Straße hinunter und bog an der Ecke ab, an der meine Mutter ihre ganze Kindheit hindurch jeden Tag abgebogen war auf dem Weg zur Grundschule gegenüber dem Park, wo die wilden Jungs auf Pappkartons die großen Granitsteine hinunterrutschten und hohe Bäume aus den Spalten dazwischen wuchsen, jetzt zugemüllt mit alten Zeitungen und zerdrückten Bierdosen und im Unterholz verstreuten kleinen Haufen gebrauchter Spritzen.

Literadio 2

Literadio 3

me Leipzig booth

In the booth of Literaturverlag Drochl, Leipziger Buchmesse, March 15, 2018

 

 

Hear the full interview on Yale Radio:

http://museumofnonvisibleart.com/interviews/andrea-scrima/

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Making art was a form of archaeology, of excavating the inscrutable. It revealed itself through fragments, through their reconstruction. Why this dot, this smear—why did they resonate in such an unmistakable way? It was essential to recognize these events, to understand the patterns of their repetition and to narrow them down to a visual vocabulary. These were the elements at our disposal, there were never more than a handful of them, and they remained irreducible. Process was everything: there had to be a truthfulness to it, a conjunction between the act and the impulse that had propelled it, an economy in which every mark stood for something—not as a means to an end, but at the very moment it was being made. It required a suspension of conscious will; it was about locating one’s inner sensorium and learning to pay attention to it, to trust it. It was the point of convergence between the self and the world: the place where, if only for an instant, a universal language might be revealed. I stepped back to view the large canvas. Subtle shadows were visible across the white expanse now, caused by the topography of the scraped surface beneath it. Swirls of pigment had come to rest in the turpentine on the floor, and as I bent down to spread a few sheets of newspaper over the turbid puddle, my reflection bent down with me and reached its fingertips up toward my outstretched hand. 

— from the novel-in-progress Like Lips, Like Skins