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Essays and Reviews

Read the interview here.

“The novel oscillates between mediated reflection, immediate perceptual state, and, later on, madness. This stage of perception does entirely without any sort of explanation. It’s about immediacy. The self is fully within it, there’s no help from without, no visible motive to reconstruct reflection a posteriori. That’s how it is with our perception. To my mind, when it comes to language, things start to get interesting. We trust reflection and reason so much more. Pure perception is trusted less, but insanity is never trusted. In the novel, we have an unreliable narrator telling the story after it’s already occurred. You might assume that the events were reflected upon and are now related through this conscious filter. But that’s not the case. Only in madness can you see what’s actually going on. The body itself speaks, unfiltered, directly. It’s a huge, profound immediacy that we can’t rationally grasp. It’s another language, like the language of dreams. You want to decode it, but there’s no code. In the novel, it presents as a primordial language, as opposed to a verbal one: a language of images that exerts its effect directly. It just does this, and the reader has to surrender to it to get any closer.”

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Ally Klein

Essay in der Frankfurter Allgemeine Zeitung. 

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“Das amerikanische Narrativ ist ein Narrativ der Infantilisierung, ein Märchen für Kinder, in dem Liebe, Sex, Familie – eigentlich alles menschliche Streben – verkitscht, jeder Nuance und Mehrdeutigkeit und aller zum Leben gehörenden Widersprüche beraubt wird. Wir müssen alles ausbuchstabiert haben; wir sind eine Kultur mit kindlichen Vorstellungen, sogar von der Kindheit. Das amerikanische Denken scheint auf ein einziges übergeordnetes Narrativ geeicht. Es braucht einen good guy und einen bad guy; es braucht einen Traum und etwas, das diesem Traum im Wege steht. Es braucht unglückliche Umstände, die den Helden zu überwältigen drohen, so dass er sich ein Herz fassen, der Herausforderung stellen und siegen kann. Man beobachtet dies in Filmen, in der Politik, im Journalismus, in Lehrplänen, auf dem Baseballplatz, in TED-Talks, bei Preisverleihungen, Gerichtsverhandlungen und NGOs, in Cartoons und in der Art, wie wir über Krankheit und den Tod reden, überall dort, wo wir die kreierten Narrative von der eigenen Geschichte, unsere kollektiven Sehnsüchte, unsere Vorstellungen von uns selbst und dem, was wir sein wollen, inszenieren. Doch diesem Narrativ zu widersprechen, auch nur einen einzigen Aspekt dieser Loyalität in Frage zu stellen bedeutet, den eigenen Stamm zu verraten.

Ich versuche um alles in der Welt zu verstehen, wie die Fiktion darüber, wie dieses Land entstanden ist, sich in eine so bewusstseinsverändernde Kraft verwandelt hat, dass man nur von Massenhypnose oder einer Form kollektiver Psychose sprechen kann, in der die USA sich rätselhafterweise noch immer als ‘die größte Nation auf Erden’ sehen; in der jeder Hinterfragung dessen, was Amerika amerikanisch macht, nicht mit der Bereitschaft zu unparteiischer Analyse oder zur Überprüfung der eigenen Positionen, sondern mit ungehaltener, oft feindseliger Ablehnung begegnet wird. ‘Wir haben’, beobachtete Baldwin, ‘einen sehr merkwürdigen Realitätssinn – oder vielmehr (…) einen auffälligen Hang zur Irrealität.’ Sind wir wirklich so tapfer, wie wir zu sein glauben; sind wir so aufrichtig, so tatkräftig, so frei, wie wir zu sein glauben? Wir werden nicht mehr von aller Welt beneidet, schon seit langem nicht mehr, und auch wenn das vielleicht nicht zu dem Bild passt, das wir von uns haben, so ist es doch an der Zeit, uns mit der kognitiven Dissonanz zu befassen und nach innen zu schauen.”

Versuchen Sie es: Versuchen Sie einmal, über das Lesen zu sprechen, ohne thematisch dahin abzuschweifen, wie das Internet die Art unserer Informationsaufnahme verändert hat. Ich – und auch die Mehrheit der Menschen, die ich kenne, deren Lesegewohnheiten schon lange vor dem Aufkommen von digitalen Zeitschriften und Zeitungen, Google Books, Blogs, RSS-Feeds, Social Media und Kindle geprägt wurden – habe meist das Gefühl, dass ich nur dann wirklich lese, wenn ich ein Druckwerk vor mir habe, unter einer Leselampe, wenn Bildschirm und Telefon ausgeschaltet sind. Aber in Wirklichkeit lese ich sehr viel online.

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Try it: try talking about the subject of reading without drifting off into how the Internet has changed the way we absorb information. I, along with the majority of people I know whose reading habits were formed long before the advent of digital magazines and newspapers, Google Books, blogs, RSS feeds, social media, and Kindle, usually feel I’m only really reading when it’s printed matter, under a reading lamp, with the screen and phone turned off. But the reality is that I do a vast amount of reading online.

 

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Spreading the word on the inimitable Lydia Davis in the German-speaking world. 

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Die Geschichten des Erzählbandes Almost No Memory, erstmals 1997 veröffentlicht und 2008 in deutscher Übersetzung (Fast keine Erinnerung) im Literaturverlag Droschl erschienen, können als psychologisches Porträt einer Frau mittleren Alters gelesen werden, die sich mit all den üblichen Dingen auseinandersetzt, die das Leben ab einem gewissen Alter zu bieten hat: die Verwerfungen häuslicher Zwietracht, schrumpfende Horizonte, die ernüchternde Erkenntnis, dass uns nur noch sehr wenig ändern kann. Der Stimmen gibt es viele und eine, die in einer Polyphonie von vorausahnender Angst und Resignation zusammenlaufen. Wir hören „Ehefrau Eins, eine oft rabiate, zurzeit aber ruhige Frau“, die alleine zu Abend isst, nachdem sie mit „Ehefrau Zwei“ telefoniert hat; eine Professorin, die davon träumt, einen Cowboy zu heiraten, obwohl sie „so sehr an die Gesellschaft [ihres] Mannes gewöhnt [ist], dass [sie] ihn, sollte [sie] tatsächlich einen Cowboy heiraten, würde mitnehmen wollen“; und eine Frau, die sich „in einen Mann [verliebte], der schon seit einigen Jahren tot war“. Dann gibt es eine Frau, die „aus dem Haus [läuft], das Gesicht weiß, der Mantel wild flatternd, … ‚Rettung! Rettung!‘ rufend“; eine andere, die sich wünscht, eine zweite Chance zu haben, aus ihren Fehlern zu lernen; und eine, die „keine andere Wahl [hat], als weiterzumachen, so als wüsste [sie] im Großen und Ganzen, was [sie ist], auch wenn [sie sich] manchmal vielleicht vorzustellen versuch[t], was es denn nun ist, was die anderen wissen, wovon [sie] nicht weiß“. Die Liste setzt sich fort: Wir erfahren von einer Frau, die sich fragt, warum sie ihren Kindern gegenüber so bösartig werden kann; von einer anderen, die beim Anblick von „allem Pulsierenden, allem Stoßenden; allem kerzengerade in die Höhe Ragenden, allem Waagrechten und Auseinanderklaffenden“ an Sex denkt; und wieder einer, die „voll bösen Willens gegenüber jemandem [ist], den [sie . . .] lieben sollte, und voll bösen Willens gegen [sich] selbst, und ganz entmutigt, was die Arbeit angeht, die [sie] erledigen sollte“.
Read the rest here. 
Read the English version here

Manuskripte 220

“The national narrative is a narrative of infantilization, a fairy tale written for children in which love, sex, family, in fact all human endeavor, is sentimentalized, stripped of nuance and ambiguity and all of life’s inherent contradictions. We need everything spelled out; we are a culture with childish notions, even of childhood.”

Read the essay in The Millions. 

Uncle Sam

Identity is a construct that forms in response to a psychic need: for protection, for validation, for a sense of belonging in a bewildering world. It’s a narrative; it tells itself stories about itself. But identity is also a reflex, a tribal chant performed collectively to ward off danger, the Other, and even the inevitable. Its rules are simple: They demand allegiance; they require belief in one’s own basic goodness and rightness. It’s a construct based not in fact but on belief, and as such it has far more in common with religion than with reason. I try for the life of me to understand what it is and how the fiction of what this country has become has turned into such a mind-altering force that one can only speak of mass hypnosis or a form of collective psychosis in which the USA still, bafflingly, sees itself as the “greatest nation on Earth,” in which anything that calls what makes America American into question is met not with impartial analysis or self-scrutiny but indignant and often hostile repudiation. We have, as Baldwin observed in his Collected Essays, “a very curious sense of reality—or, rather…a striking addiction to irreality.” Are we really as brave as we think we are; are we as honest, as enterprising, as free as we think we are? We’re not the envy of the world and haven’t been for a long time, and while this might not match the image we have of ourselves, it’s time to address the cognitive dissonance and look within.